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Wie wäre es mit Scheinhonorare für Ärzte?

 

Die meisten haben sicherlich schon mal etwas über so genannte Placebos gehört. Das sind Scheinmedikamente. Sie enthalten keine Wirkstoffe, meist handelt es sich bei solchen Präparaten um Zuckerpastillen – die echten Medikamenten aber täuschend ähnlich aussehen. 88 Prozent der deutschen Hausärzte bekannten sich jüngst dazu, solche Placebos bei ihren Patienten einzusetzen. Nicht immer sind es Zuckerpillen. Auch Spritzen ohne Wirkstoff werden gesetzt, Scheinakupunkturen gestochen, sogar Scheinoperationen gibt es.

Was, wird der ein oder andere sagen? Und dafür zahle ich auch noch Geld? Die Kritik ist berechtigt, ein bisschen veräppelt werden wir Patienten mit Placebos schon. Aber die gute Nachricht ist: Veräppeln heilt zuweilen. Im Glauben, durch Pillen, Säfte oder Dragees endlich wieder gesund zu werden, mobilisiert der Körper auch seine eigenen Kräfte, um eine Krankheit zu besiegen – mit dem Ergebnis, dass dem Leiden tatsächlich das Garaus gemacht wird. Eine ganz schön perfide Methode. Sei’s drumm, wenn’s denn hilft. Und was ich nicht weiß …

Neu ist allerdings, wie offen – man könnte fast schon sagen hemmungslos – die Bundesärztekammer mit dem Thema Placebo umgeht. Die Kammer empfiehlt ihren Mitgliedern jetzt, die Scheinpräparate noch häufiger und gezielter einzusetzen. Untersuchungen hätten ergeben, dass „Placebo stärker und sehr viel komplexer wirken als bisher angenommen“, begründet Christoph Fuchs, Hauptgeschäftsführer der Bundesärztekammer, die Empfehlung. Ethisch vertretbar sei die Täuschung der Patienten schon, meint die Bundesärztekammer – allerdings nur unter bestimmten Voraussetzungen: für ein Leiden darf es keine geprüfte Therapie mit richtigen Medikamenten geben, der Patient darf nur geringe Beschwerden haben und die Gabe von Placebos müssen Aussicht auf Erfolg haben.

Nur, wer soll kontrollieren, ob die Ärzte sich auch an die Spielregeln halten? Der Patient erfährt ja nichts von seiner Scheinbehandlung. Uns bleibt also nichts anderes übrig, als den Doktoren zu Vertrauen. Gut, das müssen wir sowieso. Aber üblicherweise gehen wir davon aus, dass der Arzt uns die Wahrheit sagt. Bei einer Placebo-Therapie tut er das nicht – und das auch noch ganz bewusst!

Ist schon eine verzwickte Angelegenheit, diese Scheintherapie. Ach, könnten wir uns doch wenigsten revanchieren, und dem Arzt hin- und wieder mal ein „Scheinhonorar“ überweisen. Ohne, dass er davon etwas merkt. Vielleicht würde das Mediziner von ihren Geldsorgen heilen, die sie offenbar immer wieder mal plagen …

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