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Warum manche Menschen schneller lernen als andere

 

Kinder beim LernenHaben Sie diese Mitschüler auch immer gehasst? Die in Deutsch ein Buch nur überflogen haben und trotzdem eine Eins geschrieben haben. Die beim Matheunterricht nur mit halben Auge und Ohr aufgepasst haben … und trotzdem eine Eins geschrieben haben? Ich musste immer fleißig lernen – und habe trotzdem nicht immer eine Eins geschrieben. Genauer gesagt: „Sehr gut“ stand bei mir nur eher selten unter den Klausuren. Tja, die Welt es ungerecht. Manche Leute lernen scheinbar von selbst, andere müssen pauken. Deutsche Wissenschaftler aus Berlin, Bochum um Leipzig sind dem Phänomen jetzt nachgegangen und haben einen Hinweis gefunden, warum das so ist.

Die Kernaussage ihrer Studie: Es sind nicht die Lernmechanismen des Gehirns selbst in uns, die sich von Mensch zu Mensch unterscheiden – und deswegen dem einen das Leben einfacher machen und dem anderen schwerer. Vielmehr scheint der Durchsatz von Informationen im Denkorgan das Problem zu sein. Der ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Manche können offenbar mehr Informationen pro Zeit durch die Neuronen im Gehirn durchschleusen als andere. Dadurch lernen sie besser.

In der Elektrotechnik würde man sagen: Der Datenbus ist breiter. Für alle nicht E-Techies hilft vielleicht das Beispiel einer Autobahn: Je mehr Spuren die hat und je breiter diese sind, desto mehr Autos können fahren und desto seltener entsteht ein Stau. Soweit klar?

Wie sind nun Hubert Dinse von der Ruhr-Universität in Bochum und sein Forscherteam auf diese These gekommen? Natürlich mit einem Versuch. Mit kleinen elektrischen Reizen auf der Hand stimulierten die Forscher den Berührungssinn von 26 Probanden. Nicht nur einmal, sondern mehrfach, jeweils für eine halbe Stunde lang. Aus früheren Versuchen weiß man, dass dadurch die Berührungsempfindlichkeit der Haut steigt – ohne dass ein Mensch dafür aktiv trainieren muss. Ein einfacher, aber deswegen gut zu überprüfender Lernvorgang.

Danach wurde ausgewertet. Die Empfindlichkeit wurde einem speziellen Verfahren gemessen, bei dem es darum geht festzustellen, wie lange ein Mensch das Pieksen von zwei Nadeln auf der Haut tatsächlich als zwei Reize ausmachen kann. Details dazu spielen hier jetzt keine Rolle. Wichtig ist das Ergebnis: Wie zu erwarten stieg die Empfindlichkeit unterschiedlich stark bei den Versuchsteilnehmern. Und mittels der Messung von Gehirnströmen fanden Dinse & Co. auch heraus, was in den jeweiligen Gehirnen anders lief. Bei den Besser-Lernen war die Aktivität der sogenannten Alpha-Wellen vor Beginn des Trainings höher und sank während der Lernphase schnell ab.

Bekannt ist, dass eine hohe Alpha-Aktivität die Aufmerksamkeit des Gehirns steigert. Ein schnelles Sinken dieser Aktivität beim Lernen deuten die Forscher als ein Zeichen von hoher Effektivität, was das Verarbeiten der eingehenden Reize betrifft. Diese Kombination – viel Alpha zu Beginn, dann schnelles absenken von Alpha – scheint demnach die Goldmuster des Lernens zu sein.

Inwiefern dieses Muster erlernbar ist wissen die Neurobiologen noch nicht. Möglicherweise ließe sich mit der Biofeedback-Methode etwas erreichen, so Dinse. Die Zukunft wird es zeigen, wenn er und seine Mitstreiter mehr Details erforscht haben. Bis dahin bleibt es dabei: Die einen lernen wie von selbst, die anderen müssen hart arbeiten.

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