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Über EHEC, HUS und weitere verwirrende Abkürzungen

 

Die Welt ist eine einzige Abkürzung, so scheint es. Das wird gerade in diesen Zeiten mal wieder deutlich. Ich sage nur: EHEC. Und? Läuft bei Ihnen im Gehirn auch gerade ein Kurzfilm ab? Sie sehen Salat, Gurken, Tomaten, Ärzte, eine Intensivstation, Politiker auf Pressekonferenzen und vieles mehr. Schon erstaunlich, für wieviel Informationen vier Buchstaben stehen können. Das ist natürlich praktisch, zuweilen aber auch verwirrend.

Praktisch deswegen, weil Abkürzungen die Kommunikation ungemein vereinfachen. Man muss nicht jedesmal anfangen zu erklären, über welches Thema man gerade spricht. Einmal „EHEC“ sagen, schon hält das Gehirn einen gewissen Grunddatensatz parat, mit dem es weiter arbeiten kann.

Das tun vor allem Wissenschaftler, für sie macht es ja auch am meisten Sinn. Mathematiker zum Beispiel sagen einfach nur „Pi“ und meinen damit eine unendlich lange Zahl, deren erste 30 Stellen hinter dem Komma lauten: 3,141592653589793238462643383279. Biologen sagen „DNA“ und meinen damit den Zungenbrecher „Desoxyribonukleinsäure“, der für das komplizierte Ergbut steht, bestehend aus großen, zusammengesetzten Molekülen. Abkürzungen sparen also richtig Zeit.

In Abkürzungen zu reden kann aber auch verwirren. Ein paar wenige Buchstaben verführen dazu, die eigentliche Bedeutung dahinter zu verwechseln, zu verdrängen oder zu vergessen – vorausgesetzt, man wusste überhaupt irgendwann einmal die Bedeutung einer Abkürzung.

Wissen Sie, wofür „EHEC“ steht? Ich löse auf: Enterohämorrhagische Escherichia coli. Coli-Bakterien also, die in unserem Darm leben.

Aha, und was hat das mit Salat und Gurken zu tun? Womit ich schon bei einem weiterem Problem von Abkürzungen bin: Wir verbinden eine Abkürzung zuweilen mit Bedeutungen, für die die Buchstaben garnicht stehen. So wird derzeit von der „EHEC-Welle“ gesprochen oder einem „EHEC-Ausbruch“. EHEC sind aber Coli-Bakterien. Die treten weder in Wellen auf noch brechen sie aus. Bakterien können das nicht, wohl aber Krankheiten. Die gibt es beim Thema EHEC auch, sie heißt „HUS“ (Hämolytisch-urämisches Syndrom). HUS verursacht den Durchfall und die ganzen anderen Erscheinungen, unter denen die infizierten Patienten derzeit leiden.

Huch, schon wieder eine Abkürzung – und auch das trägt zur Verwirrung bei: Zu viele Abkürzungen. Rund um das Thema EHEC gibt es eine ganz Reihe davon, zum Beispiel die großen Kliniken in Norddeutschland, die derzeit Patienten behandeln, darunter die MHH (Medizinische Hochschule Hannover) oder das UKE (Universitäts-Krankenhaus Eppendorf). Und dann liest man immer wieder die drei Buchstaben RKI (Robert-Koch-Institut). Das ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitsüberwachung und –prävention.

Ich fasse mal kurz zusammen: EHEC kann HUS verursachen. Ärzte an der MHH und am UKE behandeln infizierte Patienten, das RKI sammelt die Daten.

Alles klar? Aber was hat das denn jetzt mit Salat, Gurken und Tomaten zu tun? Vielleicht sollten wir doch öfters mal wieder Klartext reden.

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