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Stammzell-Forschung: Doch kein Wunder?

 

Es ist schon erstaunlich, welche Meldungen aus der Wissenschaft großen Wirbel rund um den Globus auslösen. So geschehen, als Forscher um Shoukrat Mitalipov im renommierten Fachjournal „Cell“ verkündeten, menschliche Embryos geklont und aus diesen Klonen embryonale Stammzellen gewonnen zu haben. Die Studie war Medien weltweit einen „Aufmacher-Artikel“ wert, wie Journalisten das so nennen. Also der Hauptbeitrag, sei es in den Nachrichten-Sendungen im Fernsehen oder auf den Titelseiten in Zeitungen. Wie kommt es, dass WunderWissen kein Wort darüber verloren hat? Ganz einfach: Erstens gehe ich davon aus, dass nur ein Bruchteil aller potenziellen Leser auch nur ansatzweise verstehen, was es mit Klonen und embryonalen Stammzellen auf sich hat. Zweitens gehe ich davon aus, dass genau deswegen sich niemand für diese Studie interessiert hat.

Und zwar zurecht! Ich werde hier jetzt nicht versuchen zu erklären, was embryonale Stammzellen sind und wieso darüber geforscht wird. Für Sie reicht es zu wissen: Seit über einem Jahrzehnt verkaufen uns Wissenschaftler diese Stammzellen als eine Mischung aus Jungbrunnen und heiliger Gral. Bis heute ist es allerdings niemanden gelungen, mit diesen Zellen tatsächlich irgendetwas sinnvolles anzustellen – also zum Beispiel einen schwer kranken Menschen zu heilen. Was aber immer wieder versprochen wird.

Folglich reift bei mir die Annahme, dass auch die meisten Journalisten die Sache mit den Stammzellen aus einem Embryo nicht so richtig verstehen, sonst würden die nicht so ein Tamtam darum machen. In seiner Studie behauptet Shoukrat Mitalipov nämlich nur, dass er diese Zellen mit einem bestimmten Verfahren hergestellt hat. Dass das bis auf weiteres nichts Wert ist - und deswegen für die Allgemeinheit uninteressant - war nirgendwo zu lesen.

Falsch, werden mich jetzt einige kritisieren. Die Versuche von Mitalipov sind ethisch und moralisch bedenklich, dass muss diskutiert werden. Ja, stimmt, darüber kann man diskutieren. Aber das findet nur am Rande statt. Und der Laie wird in diese Diskussion nicht einsteigen können, weil er - wie gesagt - wahrscheinlich nur Bahnhof versteht.

Aber das Beste kommt ja noch, nämlich dass die Studie von Shoukrat Mitalipov möglicherweise gefälscht ist. Zwar lässt die Redaktion der Zeitschrift „Cell“ eingereichte Arbeiten grundsätzlich von externen Gutachtern überprüfen. Im Fall von Mitalipov dauerte dieses „Peer Review“ genannte Verfahren gerade einmal drei Tage. Üblich sind Wochen bis Monate. Anonyme Gutachter haben innerhalb weniger Tage starke Ungereimtheiten in der Studie von Mitalipov gefunden. Einige der publizierten Versuchsdaten sind „absolut unmöglich“, sagt der Düsseldorfer Stammzell-Experte James Adjaye auf Sueddeutsche.de.

Shoukrat Mitalipov beteuert natürlich, alles sei in Ordnung. Wie der Fall ausgeht ist noch unklar. Klar sollte allerdings sein, dass sowohl Forscher als auch Journalisten mit dem Thema Stammzellen äußerst vorsichtig umgehen sollten.

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