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Reizüberflutung: Fernsehen und Computer gleichzeitig

 

Wir leben in einer Multitasking-Gesellschaft. Das heißt: Immer mit mindestens zwei Sachen gleichzeitig beschäftigt sein. Wir Männer sind da zwar im Nachteil, denn offenbar gelingt uns das Gleichzeitige weit weniger gut als Frauen. Aber fernsehen und im Internet surfen im Duett beherrsche auch ich problemlos.

Oder auch nicht, wie US-Forscher aus Boston jetzt herausgefunden haben. Nicht bei mir persönlich, aber bei einer handvoll Probanden im Rahmen einer Studie. Die Wissenschaftler der Caroll School of Management wollten wissen, wie oft Menschen zwischen Fernseher und Computer hin und her schalten, wenn sie sich gleichzeitig mit diesen beiden Geräten beschäftigen. Das Ergebnis überraschte: durchschnittlich alle 14 Sekunden, manchmal bleibt der Blick auch nur für ein oder zwei Sekunden bei einen der beiden Medien.

Da stellt sich die Frage, ob wir bei so kurzen Abständen überhaupt noch in der Lage sind, irgendetwas aufzunehmen. Was sich im ersten Moment nach einer theoretischen Fragestellung anhört, entpuppt sich bei weiterer Betrachtung als sehr praxisrelevant. Jungendliche unter 18 Jahren verwenden Computer und Fernseher fast immer gleichzeitig, also zum Beispiel auch zum Hausaufgaben machen und lernen. Ob da etwas hängen bleibt im Gedächtnis?

Na gut, Schüler und Lernen ist doch schon immer ein Riesenproblem gewesen, höre ich Sie sagen. Aber nicht nur die sind betroffen. Rund 60 Prozent der US-Amerikaner insgesamt sagen, Rechner und Glotze parallel einzusetzen. Und schon ist das ein großes Thema.

Warum? Nun, wer so oft zwischen den Medien wechselt, registriert die Inhalte nicht mehr so richtig. Für uns Journalisten ist das eine ernüchternde Erkenntnis, die uns natürlich nachdenklich macht. Bei der werbetreibende Industrie hingegen dürfte diese Nachricht mittelschwere Schockwellen auslösen. Denn sie bedeutet nichts anderes als: Die Kunden nehmen die teuer bezahlten Anzeigen schlechter wahr als bisher. Es geht um Geld – viel Geld – das vielleicht umsonst ausgegeben wird.

Verschnitt gab es schon immer bei der Werbung. In einer Zeitschrift überblättert man die Anzeigen, beim Werbeblock im Fernsehen geht man auf’s Klo, im Internet knipsen Blockerprogramme die Werbebanner einfach aus. Aber insgeheim hofften Hersteller doch, mit der Kombination herkömmliche Medien (Gedrucktes und Fernsehen) und neue Medien (Internet, Communitys, Mobile) die Kunden noch gezielter und intensiver zu erreichen.

Tja, die menschliche Psyche scheint da ein Strich durch die Rechnung zu machen. Unser Gehirn bleibt ein Mysterium, das auf die Herausforderungen der „Gesellschaft 2.0“ zuweilen ganz anders reagiert, als wir Menschen das von unserem Denkorgan erwarten.

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