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Nahtoderfahrung: Alles Unsinn?

 

Berichte über Nahtoderfahrungen rufen sofort Aufmerksamkeit hervor. Kein Wunder, bleibt doch der Tod wohl für immer ein besonderes Mysterium. Kein Mensch kann tatsächlich davon berichten, wie das so ist, das Sterben. So fasziniert auch noch so jedes kleinste Detail über die Minuten und Sekunden davor – sofern man den Schilderungen von Menschen mit Nahtoderfahrungen glaubt.

Das sollte man allerdings besser sein lassen, behaupten jetzt Psychologen der Edinburgh University in Schottland und des Medical Council in Cambridge/England. Denn ihre Analyse von Studien zum Thema haben nur eines ergeben: Alles Unsinn!

Nahtoderfahrungen sind nichts weiter als die Wahrnehmung von Standard-Gehirnfunktionen, die gerade gestört ablaufen. Gestört deswegen, weil der Körper Reize und Signale sendet und empfängt, die für das Nervensystem sehr ungewöhnlich sind – zum Beispiel bedingt durch eine schwere Verletzung. Das Gehirn scheitert beim Versuch, sich daraus einen Reim zu machen. Und so kommt es zu den Missempfindungen – darunter den eigenen Körper aus der Vogelperspektive zu erleben oder das Widersehen von Verstorbenen – die Menschen als Nahtoderfahrung bezeichnen.

Die Untesuchung der Psychologen hat ergeben: Mit dem Tod hat das nichts zu tun. Vor allem auch deswegen, weil in den untersuchten Fällen die Betroffenen physiologisch gesehen gar nicht in unmittelbarer Todesgefahr waren – auch wenn die Betroffenen selbst das meinten.

Muss man sich folglich Sorgen machen um Menschen, die über Nahtoderfahrungen berichten? Sind die womöglich nicht ganz bei Trost? Nein, überhaupt nicht, betonen die Forscher. Dass unser Gehirn uns täuscht, ist fast schon alltäglich. „Das Gehirn ist sehr gut darin“, weiß Caroline Watt, eine der Studienleiterin.

Und für so ziemlich alle Nahtoderfahrungen gibt es eine medizinische Erklärung. Hier nur drei Beispiele:

• Ein „Licht am Ende des Tunnels“ sehen mitunter auch Kampfjet-Piloten, wenn sie sehr hohen Beschleunigungs-Kräften ausgesetzt sind. Grund dafür soll eine Unterversorgung des Auges mit Sauerstoff sein.

• Euphorie- und Glücksgefühle, nun, die kennt jeder von uns. Durch das Einwirken von bestimmten chemischen Stoffen – darunter Ketamine und Amphetamine – können diese auch ganz plötzlich und schnell eintreten.

• Für das Gefühl Tod zu sein haben Mediziner sogar einen Begriff definiert: „Walking corpse“-Syndrom. Es befällt unter anderem Multiple-Sklerose-Patienten in fortgeschrittenen Erkrankungs-Stadien.

Wie gesagt, normal ist das alles nicht. Es handelt sich bei solchen Empfindungen sehr wohl um außergewöhnliche Zustände des Körpers. Aber einen Hinweis darauf, wie Menschen den Tod erleben, geben sie nicht.

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