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Mit Fruchsäften einen Herzinfarkt vorbeugen?

 

Das Thema heute könnte auch unter der Überschrift „Glauben Sie nicht alles, was Sie lesen“ stehen. Folgende Forschungs-Meldung macht gerade die Runde: Wissenschaftler haben ein Fruchtsaftmix entwickelt, der sich besonders positiv auf Blutgefäße auswirkt. Dieser Saft soll helfen, Arteriosklerose – auch Arterienverkalkung genannt – vorzubeugen. Die Gefäße sollen elastisch bleiben, damit das Blut ungehindert durch den Körper fließt.

Das wäre in der Tat phantastisch: Jeden Tag einen leckeren Fruchtdrink, und schon sinkt das Risiko, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden. Zwei Erkrankungen, die die größte Gefahr bei verkalkten und verstopfen Blutgefäßen darstellen. Womöglich spart man sich durch den Saft sogar die ein oder andere Pille, muss nicht mehr so sehr auf seine Figur achten und auch das leidige Thema „mehr Sport treiben“ wäre vielleicht vom Tisch. Alles Maßnahmen, die für Arteriosklerose-Patienten mehr oder weniger Pflicht sind – aber leider auch sehr unbeliebt bei Betroffenen.

Das Wundergetränk will ich sofort haben, wird sich der ein oder andere jetzt denken.

Ich, als neugieriger Mensch und Medizinjournalist, interessiere mich natürlich dafür, warum eine spezielle Mischung aus Fruchtsäften ein solch tolle Wirkung entfalten kann.

Verantwortlich sollen so genannte Polyphenole sein. Um es kurz zu machen: Das ist ein alter Hut. Seit vielen Jahren schon preisen Forscher immer wieder diese Substanzen als wahre Heilsbringer an. Biochemisch gesehen stimmt das wohl auch. Tatsächlich machen Polyphenole Gefäßewände weicher – und damit elastischer. Das ist gut für die Blutbahnen, die Gefahr einer mitunter lebensgefährlichen Verstopfung sinkt dadurch.

Diesen Effekt von Polyphenolen bestätigten sogar schon eine ganze Reihe von Studien … im Labor. Leider aber nur dort, in Reagenzgläsern und Petrischalen. Der Nachweis, ob die Wirkung von Polyphenolen auch eintritt, wenn diese über die Nahrung in den Körper gelangen, steht allerdings noch aus. Bisher scheiterten alle Versuche diesbezüglich. Offenbar schaffen es die Polyphenole einfach nicht, die Darmwand zu überwinden und damit ins Blut zu gelangen. Anders formuliert: Sie können so viel Polyphenole trinken wie sie wollen, bei den Blutgefäßen kommt davon so gut wie nichts an.

In der jetzt neuen Studie mit dem Fruchtsaft arbeiteten die Forscher der Universität Straßburg übrigens mit aufbereiten Herzkranzgefäßen aus Schweinen, die sie von einer Schlachterei bezogen. Diese wurden direkt mit dem Saftmix umspült, woraufhin die Wirkung eintrat. Um mit diesen Ansatz den Effekt bei Menschen zu testen, müsste man das Fruchtgetränk intravenös in die Blutbahn spritzen. Das Ergebnis wäre möglicherweise … ein schneller Tod des Probanden.

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