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Intelligenz ist viel mehr als ein hoher IQ-Wert

 

Die ersten Zahlen: So fängt jeder mit dem Lernen anDiese Nachricht aus der Welt der Gehirnforschung ist wie ein kleines Weihnachtsgeschenk für die Menschheit. Für die meisten zumindest. Auf jeden Fall für alle, die nur einen eher durchschnittlichen Intelligenz-Quotienten (oder noch weniger) vorweisen können. Anhand einer Online-Studie an über 44.000 Teilnehmer weltweit kommen die Kanadier Adam Hampshire und Adrian Owen von der Western University in London/Ontario zum Ergebnis: Intelligenz setzt sich zusammen aus drei unabhängigen Teilen, nämlich Kurzzeitgedächtnis, logisches Denken und verbale Fähigkeiten. Die Messung der Intelligenz mit nur einem Wert – den IQ – führe mehr in die Irre, als dass damit tatsächlich eine Wertung möglich sei.

Wissenschaftler empfehlen zwar schon seit längerem, den IQ als (alleiniges) Maß für Intelligenz nicht mehr zu berücksichtigen. Aber so richtig angekommen scheint das noch nicht zu sein. Überall wird einem dieser Test noch angedreht. Kaum ein Magazin, das seine Leser nicht regelmäßig mit solchen Abfragen bedrängt, im Internet wimmelt es nur so von Testangeboten. Menschen mit einem hohem IQ genießen weiterhin ein hohes Ansehen.

Dass geistige Überflieger aber zuweilen alltagsuntauglich sind, zeigt die – zugegebenermaßen überspitzte und erfundene – Rolle des theoretischen Physikers Dr. Dr. Sheldon Cooper in der US-Comedy-Serie „The Big Bang Theory“. Für alle, die diese (sehr witzige) Sitcom nicht kennen: Cooper hat einen IQ von 187, schloss mit 14 Jahren sein Studium ab, bekam mit 16 sein ersten Doktortitel und arbeitet mit Mitte zwanzig am dem renommierten California Institute of Technology. Abgesehen davon ist er arrogant, überheblich, ein Pedant und zwanghaft veranlagt. Er hat Schwierigkeiten Witze und Sarkasmus zu verstehen, ist komplett unsportlich und hegt kein Interesse am weiblichen Geschlecht geschweige denn an Sex.

Ganz ehrlich: Was nützt einem ein IQ von 187, wenn man sonst als Mensch auf dieser Erde versagt?

Sheldon Cooper ist, wie bereits erwähnt, eine Kunstfigur. Aber es dürfte nicht schwierig sein, überall auf der Erde Menschen wie Cooper in echt zu finden.

Zurück zur Studie von Adam Hampshire und Adrian Owen. Durch die Dreiteilung der Intelligenz zweifeln sie den Sinn eines IQs unter anderem deswegen an, weil diese drei Komponenten der Intelligenz sich im Laufe des Lebens unterschiedlich entwickeln. Das Kurzzeitgedächtnis arbeitet in jungen Jahren (so um die 20) am besten, im Alter nimmt es ab. Das gilt auch für logisches Denken. Sprachliche Fähigkeiten bleiben ein Leben lang gleich gut. Würde man versuchen aus diesen drei Eigenschaften einen Intelligenzwert zu errechnen, müsste der sich im Laufe des Lebens ändern – wahrscheinlich verschlechtern. Die Kernaussage solcher Überlegungen müsste demnach lauten: Menschen verblöden in der zweiten Lebenshälfte. Kann in Einzelfällen passieren, ist aber meist nicht der Fall ist, das wissen wir alle.

Und was hilft es, das genialste Wesen auf dem Planeten zu sein und, sagen wir mal, ein Perpetuum Mobile zu erfinden (also zum Beispiel ein Auto, das ohne Benzin fahren kann), wenn dieses Wesen nicht in der Lage ist, einen Schraubenzieher gerade zu halten, um das Perpetuum Mobile zu bauen? Dann ist dieses Wesen vielleicht intelligent, aber nicht besser oder wertvoller als andere.

So mögen Wissenschaftler, Psychologen und sonstige Experten die Intelligenz des Menschen messen, wenn sie wollen. Aber anhand solch einer Messung Menschen zu bewerten, in Kategorien einzuteilen, zu bewundern (oder zu verachten) sollten wir alle tunlichst sein lassen.

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