Aktuell

Forscher vermessen zum ersten Mal den Schmerz

 

"Tut es sehr weh?", fragt die Mutter ihr Kind, wenn der Nachwuchs sich mal wieder irgendwo angehauen hat. Die dann übliche Antwort ist "ja", aber was heißt das schon? "Ja" sagt das Kind bei einer kleinen Beule, "Ja" sagt es auch bei einer schlimmeren Verletzung. Ein "Ja", das ganz anschaulich ein Problem der Schmerzmedizin zeigt, mit dem Ärzte und Forscher seit jeher kämpfen. Nämlich, dass man Schmerz nicht messen und damit nicht quantifizieren kann. Das erschwert natürlich die Arbeit des Doktors.

Bis jetzt. Denn US-Wissenschaftler der University of Colorado Boulder berichten nun, zum ersten mal Schmerz mit Hilfe eines Magnetresonanztomografen im Gehirn sichtbar gemacht zu haben. 115 Probanden wurden dafür unterschiedlich starken Hitzereizen ausgesetzt. Währenddessen machte ein Tomograf Aufnahmen von den Gehirnen der Testpersonen. Das Ergebnis: Auf unterschiedlich intensive Schmerzen reagieren Nervenzellen offenbar ganz spezifisch. Die Forscher machten regelrechte Muster aus, die immer wieder auftraten.

Diese Muster waren übrigens bei allen Probanden stets gleich. Gleiche Schmerzintensität, gleiches Aktivitätsmuster der Nerven. Das war nicht unbedingt zu erwarten. Denn bei uns Menschen ist das ja so: Die ein und dieselbe Verletzung ist für den einen sehr schmerzhaft, für den anderen nur eine Bagatelle. Ja sogar jeder einzelne Mensch kann - je nach Tagesform - mehr oder weniger stark Schmerz empfinden. Es hätte also Tod Wager und sein Team nicht gewundert, wenn sie bei jedem Versuchsteilnehmer dementsprechend ganz eigene Aktivitätsmuster in den Aufnahmen gemessen hätten.

Dem war aber nicht so, was eine gute Nachricht für alle schmerzgeplagten auf dieser Erde ist. Denn eine einheitliches, zuverlässiges Messverfahren dürfte nicht nur Studien rund um das Thema verbessern - vor allem wenn es darum geht, die Wirkung von Medikamenten zu analysieren. Auch ein Arzt kann natürlich einen Patienten besser behandeln, wenn er genau weiß, wie stark sein gegenüber gerade leidet.

Bewertung: 
No votes yet