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FATwater: Neuer, seltsamer Durstlöscher und Energydrink

 

Wenn Ihnen jemand – ohne weitere Erklärungen – dazu raten würde, Fettwasser zu trinken … würden Sie das tun?

Fettwasser, das klingt irgendwie ekelhaft. Haben Sie schon einmal Fett getrunken? Also zum Beispiel einen Löffel Sonnenblumenöl. Ich meine jetzt nicht Gewürzöl mit Chili, Basilikum oder Knoblauch versetzt. Nein, reines Öl. Ich habe es probiert. Es schmeckt ekelhaft.

Und jetzt stelle ich mir Fettwasser vor. Ich sehe vor mir ein Glas Wasser, in dem diverse Fettaugen schwimmen. Bevorzugt oben im Glas, denn Fett hat eine niedrigere Dichte als Wasser und schwimmt deswegen oben. Wenn ich es umrühre, werden aus den paar Fettaugen tausende kleine Fettkügelchen, die gemächlich ihre Kreise im Glas drehen und das Ganze so richtig unappetitlich aussehen lassen. Warum sollte ich das trinken?

Hinzu kommt die alles entscheidende Frage: Fettwasser, macht das nicht fett?

Nein, ganz im Gegenteil, behauptet der US-Amerikaner David Asprey, der eine Karton mit 16 Fläschchen „FATWater“ (zu Deutsch: Fettwasser) zum stolzen Preis von 16 US-Dollar verkauft (oder 3.95 US-Dollar für ein Fläschchen). Und das offenbar sehr erfolgreich. FATwater ist zu einem kleinen Hype in den USA geworden.

Warum? Das sind die Verkaufsargumente von Asprey:

1. FATwater wird schneller und besser vom Körper aufgenommen als normales Wasser, es löscht damit also schneller den Durst.

2. In FATwater ist nicht irgendein Fett drin, sondern so genannte Mittelkettige Triglyzeride, kurz MCT. „Häähh?“, werden Sie jetzt vielleicht fragen, und das zurecht. Was MCT genau sind, dazu komme ich gleich. David Asprey behauptet auf jeden Fall, diese Fettform liefere dem Körper ganz schnell eine Extraportion Energie. FATwater ist also so eine Art Energydrink. Um es gleich vorweg zu nehmen: Nein, tut es nicht. Erklärung folgt in Kürze.

3. Zu der Sache mit dem Geschmack: FATwater ist mit Aromastoffen versetzt, es gibt die Geschmacksrichtungen Beere, Zitrone, Orange und „ohne Geschmack“. Lecker also soll es sein.

Ich habe es noch nicht probiert, aber Journalisten des Time Magazine in den USA verkosteten es bereits. Ihr Urteil geht von „schmeckt wie eine Lotion“ bis hin zu „abgestandenes Wasser“. Andere berichten von einem unangenehmen Film, der sich auf der Zunge bildet.

Gut, über den Geschmack wird sich also streiten lassen, wie sieht es denn mit dem Durstlöschen und der Extraportion Energie aus?

David Julian McClements, Ernährungsforscher an der University of Massachusetts Amherst, klärt auf. Auch er experimentiert mit kleinen Öltropfen in Wasser. Die Fragestellung dieser Versuche: Hilft Öl dabei, andere im Wasser aufgelöste Nahrungsergänzungsmittel in den Körper zu transportieren, zum Beispiel Betakarotin? Und tatsächlich: Offenbar funktioniert das. Die Nahrungsergänzungsmittel gelangen schneller in den Körper. Das Wasser aber nicht! Zu einem effektiveren Durstlöscher macht Öl Wasser also nicht.

Und was hat es mit diesen MCT auf sich? MCT sind speziellen Formen von Fett. Sie kommen vor allem in tropischen Pflanzenfetten vor, wie etwa Kokosfett oder Palmkernöl. MCT haben einige besondere Eigenschaften, unter anderem werden sie recht schnell vom Körper aufgenommen. Das wäre ja schon mal eine wichtige Eigenschaft für einen Energydrink. In der Medizin spielen MCT eine Rolle bei Patienten, die aufgrund einer Erkrankung Schwierigkeiten haben, Fett oder Energie aus der Nahrung im allgemeinen aufzunehmen. Auch Leistungssportler nehmen MCT-haltige Nahrung und Getränke zu sich, weil es ein schneller Energielieferant ist.

Passt doch alles zusammen, oder? Nein, nicht ganz. Denn FATwater enthält gerade einmal 2 Gramm Fett pro Flasche. Ganz grob entspricht das etwa dem Energiegehalt von Apfelschorle, ein Getränk, das nicht dafür bekannt ist, ein großartiger Energielieferant zu sein. Warum stecken die Hersteller dann nicht einfach mehr MCT in FATwater rein? Nun, möglicherweise würden sich dann diese unansehnlichen Fettaugen bilden.

Dr. Marie-Pierre St-Onge, Ernährungswissenschaftlerin an dem renommierten Columbia University Institute of Human Nutrition in New York/USA, dämpft den Hype um FATwater kurz und knapp auf folgenden Rat ein: „Wenn Sie Hunger haben, essen Sie etwas. Wenn Sie Durst haben, trinken Sie Wasser“.

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