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Ersatzorgane aus Tieren? Die ersten Versuche laufen …

 

Ein Lamm als Organspender für Menschen?In der Welt der Technik ist das seit jeher eine Selbstverständlichkeit: Ein Teil ist kaputt? Austauschen gegen ein Ersatzteil. Egal ob nur eine Glühbirne in der Lampe, ein Reifen am Auto oder eine ganze Turbine am Flugzeug. Das geht meist schnell und unkompliziert. Ach, wäre das doch nur beim menschlichen Körper auch so einfach. Zwar transplantieren Chirurgen seit Jahrzehnten schon Herzen, Lungen, Nieren und einige Organe mehr. Aber das ist mit allerlei Problemen verbunden – das größte unter ihnen die Verfügbarkeit von Spenderorganen. Es gibt einfach zu wenig Spender. Zudem handelt es sich bei solchen Ersatzteilen stets um „Gebrauchtware“.

Diesen Missstand haben Forscher natürlich längst erkannt und arbeiten seit Jahren an Methoden, Organe künstlich zu züchten. Nur leider gestaltet sich das um einiges schwieriger als die heutzutage übliche Organtransplantation (und das ist schon kompliziert genug). Blut- und Hautzellen können Wissenschaftler bis zu einem gewissen Grad künstlich herstellen. Aber ein ganzes Herz? Bis auf Weiteres undenkbar!

Immerhin, US-Biologen der Cornell University melden jetzt, künstliche Bandscheiben hergestellt zu haben.

Eine kleine Warnung an dieser Stelle: Tierfreunde sollten hier besser aufhören zu lesen. Sagen Sie nachher nicht, ich hätte Sie nicht gewarnt.

Die Versuchsreihe von Robby Bowles und sein Team: Sie entnahmen aus Schafen Bandscheibenzellen, züchteten diese im Labor zu einer neuen Bandscheibe, um das so entstandene Gewebe in den Schwanz einer Ratte einzupflanzen, der vorab die eigene Bandscheibe operativ entfernt wurde. Sechs Monate nach dem Eingriff unterschied sich das Implantat kaum mehr von einer natürlichen Bandscheibe – sowohl vom Zellaufbau als auch von der Funktionalität her.

Eine Erfolgsgeschichte? Nein, noch nicht. Denn das Ziel solcher Versuche ist es, die Methoden irgendwann einmal beim Menschen anzuwenden. Und davon sind Wissenschaftler noch weit entfernt. Zum einem müsste solch ein Versuch hochskaliert werden, denn menschliche Bandscheiben sind um einiges größer als bei Ratten. Ob das gelingt, ist völlig unklar.

Und ob der menschliche Körper solche Fremd-Implantate überhaupt verträgt, weiß auch niemand so richtig. Schafszellen würden sich wohl nicht eignen. Am ehesten noch Gewebe vom Schwein, vermuten Forscher. Mit Zellen von Borstentieren haben Biologen schon eine Vielzahl von Versuchen unternommen – aber noch keine Transplantation zum Menschen. Das wäre derzeit aus einer ganzen Reihe von Gründen unverantwortlich. Unter anderem fürchten Forscher, durch solch eine Verpflanzung könnten Viren aus den Spenderschweinen auf den Menschen überträgen werden.

Und dann gibt es noch die ethischen Bedenken. Für die beteiligten Tiere enden solche Verfahren üblicherweise mit dem Tod. Tierschützer dürften allein beim Lesen dieser Zeilen gedanklich auf die Barrikaden gehen. Ein weiterer Kritikpunkt: Streng genommen ensteht bei einer Transplantation von Tiergewebe in den Menschen ein Chimär – also ein Mischling aus Mensch und Tier.

Immerhin: Laut Wikipedia hat Papst Johannes Paul II auf dem XVIII International Congress of the Transplantation Society in Rom 2000 dem Gebrauch von Schweinen als Organspender zugestimmt.

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