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Deutsche Chefs schlafen wenig – keine gute Nachricht

 

Im Durchschnitt nur 6 Stunden und 10 Minuten – zu mehr Nachtruhe kommen deutsche Angestellte in einer Führungsposition nicht. Das hat jetzt eine Umfrage im Auftrag der Zeitschrift „Capital“ ergeben. Die Nachricht, dass deutsche Chefs nur zu wenig Schlaf kommen, ruft bei dem ein oder anderem Untergebenen möglicherweise nur wenig Mitleid hervor. Ich höre Sie schon sagen: „Mehr hat mein Chef nicht verdient“ oder „für das Gehalt sollte der durcharbeiten und überhaupt nicht mehr schlafen“. Oder auch: „Der holt sich seinen Schlaf doch hier bei der Arbeit“.

Ja, ja, sehr witzig. Aber das Ergebnis der Umfrage hat auch einen ganz ernsten Aspekt, der nicht besonders positiv ist – weder für den Chef noch für seine Mitarbeiter. Denn es ist wissenschaftlich erwiesen, dass Schlafmangel alles andere als ein Kavaliersdelikt am eigenen Körper ist. Vielmehr ist es Raubbau, mit teilweise sehr unangenehmen Folgen:

• Zu den vergleichsweise harmlosen Erscheinungen zählen das Schwinden von guter Laune, Motivation und Antriebslosigkeit. „Hat mein Chef sowieso nicht“, sagen Sie? Es wird noch schlimmer, viel schlimmer …

• Die Haut wird matt und farblos, Falten treten deutlich hervor. Schauen Sie sich Politiker im Fernsehen an, wenn diese mal wieder die Nächte in wichtigen Sitzungen verbracht haben und danach gleich weiterarbeiten. Oder ständig rund um den Globus reisen und bedingt durch Zeitverschiebungen kaum zum Schlaf kommen.

• Das Kommunikationsvermögen lässt nach, ebenso die Konzentration. Vorübergehend können Gedächtnislücken entstehen. Das betrifft Sie als Mitarbeiter schon sehr direkt. Zwar beklagen viele solche Symptome bereits bei ihren ausgeschlafenen Vorgesetzten. Aber kommt tatsächlich Schlafmangel hinzu, wird der Umgang mit dem Chef richtig kompliziert.

• Noch ernster wird es für die Chefs selbst. Denn Schlafmangel erhöht das Risiko für zahlreiche Krankheiten, darunter Herzleiden, Bluthochdruck, Übergewicht und Kopfschmerzen.

• Unbedingt vermeiden sollten Angestellte in Führungspositionen längeren Schlafentzug. Dann drohen Halluzinationen und Wahnvorstellungen, zuweilen auch Verfolgungswahn. Selbst der hartgesottenste Chef sollte einsehen, dass er in diesem Zustand arbeitsunfähig ist.

Leider zeigen deutsche Chefs gerade in Sachen Schlaf nur wenig Einsicht. Laut der „Capital“-Umfrage meinen sie tatsächlich, dass wenig Schlaf geradezu eine Voraussetzung für das Besetzen von Führungspositionen ist. Das schon als „Wahnvorstellung“ zu interpretieren ist sicherlich übertrieben, aber zumindest ist es aus medizinischer Sicht Unsinn.

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